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Chirotherapie

„Mit den Händen heilen“ kann man in vielen Fällen durch die Chirotherapie. Insbesondere Rückenschmerzen sind die Domäne dieser sanften Therapieform, die nur Ärzten im Rahmen der Manipulation vorbehalten ist.

Rückenschmerzen kennt fast jeder: 80 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal im Leben darunter. Auf die Frage „Haben Sie heute Rückenschmerzen?“ antwortet etwa jeder Dritte mit „Ja“. Dementsprechend oft ist das Ziehen und Zerren in Nacken oder Kreuz der Grund für Krankmeldungen am Arbeitsplatz. Die dadurch anfallenden Kosten für das Gesundheitssytem gehen in die Milliarden.

Bei den meisten von Rückenschmerzen Geplagten verflüchtigen sich die Beschwerden innerhalb von zwei Wochen. Allerdings haben die Schmerzen die Tendenz, wiederzukehren: Bei mehr als der Hälfte der Patienten treten die Schmerzepisoden mehrmals im Jahr auf. Auch junge Menschen leiden häufig unter Beschwerden der Wirbelsäule. Mit zunehmenden Alter steigt die Zahl der Schmerzattacken weiter an. Besonders stark betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen. In jeder Altersstufe trifft der Schmerz im Kreuz Frauen häufiger als Männer. Dies gilt sowohl für gelegentliche Rückenschmerzen (65 beziehungsweise 57 Prozent) als auch für chronische Rückenbeschwerden (20 beziehungsweise 15 Prozent).

Die möglichen Ursachen für Rückenschmerzen sind vielfältig: Mal sind Muskelverspannungen durch eine einseitige Körperhaltung (wie stundenlanges Sitzen am PC) der Auslöser, mal ein Bandscheibenvorfall oder eine Nervenentzündung. Auch Erkrankungen des Skeletts wie Morbus Scheuermann können Beschwerden zwischen Nacken und Kreuz verursachen.
Etwa zwei Drittel aller Patienten leiden allerdings an unspezifischen Schmerzen, deren Ursache sich trotz modernster Diagnosetechniken nicht eindeutig feststellen lässt. Zwar findet man bei den meisten Rückenpatienten in der Kernspintomografie (MRT) tatsächlich Veränderungen an der Wirbelsäule wie knöcherne Ausziehungen (Osteophyten) oder Bandscheibenvorwölbungen – ob diese aber wirklich für die Schmerzen verantwortlich sind, ist unklar. Denn solche Veränderungen sind auch unter völlig schmerzfreien Menschen verbreitet.
In den letzten Jahren haben Schmerzforscher verstärkt untersucht, welchen Anteil die Psyche an der Entstehung von Rückenschmerzen hat – und der scheint erheblich zu sein. Inzwischen gehen Experten davon aus, dass es häufig einen körperlichen Auslöser für den Schmerz gibt und dieser dann durch psychische Faktoren verstärkt wird. Die Psyche scheint vor allem darauf einen Einfluss zu haben, ob der Rückenschmerz von alleine verschwindet oder chronisch wird (Chronifizierung). Menschen, die unter Depressionen leiden, haben beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Rückenschmerzen. Ebenso nachgewiesen ist, dass psychische Belastungen wie Stress, aber auch eine ungeliebte Arbeit die Wahrscheinlichkeit für Kreuzschmerzen erhöhen.

Jeder Wirbel hat an der Ober- und Unterseite zwei Gelenkfortsätze, über die er mit den anderen Wirbeln verbunden ist. Diese kleinen Wirbelgelenke werden Facettengelenke genannt. Bei Überlastung kann sich die Muskulatur verspannen, und die Beweglichkeit des Gelenks verringern (Facettensyndrom). Diese Bewegungseinschränkung wird von Ärzten, die in der manuellen Therapie geschult sind, als Blockierung bezeichnet. Das Konzept der Blockierung ist aber unter Medizinern nicht allgemein anerkannt.

Eine Sonderform ist die Blockierung des Iliosakralgelenks (Kreuzbein-Darmbein-Gelenk, ISG). Es ist an sich schon wenig beweglich; ist es ganz blockiert, kann dies Schmerzen verursachen (Iliosakralgelenks-Syndrom). Gelenkblockierungen können sowohl durch Verschleiß der Wirbelsäuleals auch durch akute Überlastung des Gelenks zustande kommen. Die Wirbelsäulensegmente können sich gegeneinander verschieben, wodurch sich auch die Lage der kleinen Wirbelkörpergelenke zueinander ändert. Die Verschiebung der Facettengelenke ist zwar minimal, kann aber die Nerven in der Gelenkskapsel reizen. Als Reaktion verspannen sich die Muskeln, welche die Wirbelsäule halten. Diese Verspannungen der kleinen Muskeln führen zu einer Einschränkung der Beweglichkeit: Das Gelenk wird blockiert, und die Funktion ist gestört. Häufig tritt ein stechender Schmerz plötzlich nach einer Überbelastung auf. Eine falsche Bewegung, ein Sturz auf das Gesäß oder das Heben eines schweren Gegenstandes (z.B. Getränkekiste) lösen den akuten Schmerz aus. Er geht langsam in einen dumpfen, tiefsitzenden, schlecht zu beschreibenden Schmerz über. Der Schmerz nimmt bei Belastung und im Tagesverlauf zu und bessert sich im Liegen.Verantwortlich dafür ist die verspannte Rückenmuskulatur. Bei einer Bewegung in die blockierte Richtung kann sich der Schmerz verändern und wieder einen eher stechenden Charakter annehmen.
Die Schmerzen der Facettengelenke können in den Gesäßbereich, die Leiste und die Beine ausstrahlen. Eine Unterscheidung zu radikulären Schmerzen kann nur der Arzt treffen. Die Bewegung der Wirbelsäule ist eingeschränkt. Manchmal kommt es zu einer Zwangshaltung, wobei die Bewegung in eine bestimmte Richtung vermieden wird. So kann ein Betroffener beispielsweise nicht die Wirbelsäule verdrehen sondern dreht stattdessen den ganzen Körper.

Der Arzt überprüft die Beweglichkeit in den einzelnen Wirbelabschnitten. Eine Fehlfunktion der Gelenke zeigt sich in verschiedenen Untersuchungen:

Durch Bewegung kann sich eine Blockierung spontan wieder lösen. Betroffene sollten ausprobieren, ob ihnen eine ganz bestimmte Bewegungs- oder Dehnübung hilft. Diese Übungen sollten Sie sich beim ersten Mal von einem Physiotherapeuten zeigen lassen.

Bei stärkeren, akuten Beschwerden können kurzfristig Schmerzmedikamente oder Schmerzpflaster eingesetzt werden, um trotzdem Bewegung zu ermöglichen. Auch Wärmepflaster, Körnerkissen oder lokale Wirkstoffe wie Capsaicin wirken oft schmerzlindernd. Sie erhöhen die lokale Durchblutung und entspannen die Muskulatur, was die Beweglichkeit steigert.

Chirotherapeutisch/ Manualtherapeutisch ausgebildete Ärzte wie Frau Dr.Silke Orth und Herr Dr.Patrick Kudielka können versuchen, die Blockierung zu lösen. Dabei werden prinzipiell zwei Verfahren unterschieden:

In seltenen Fällen und bei sehr starken Schmerzen kann eine Infiltration in Frage kommen. Unter Röntgenkontrolle (Bildwandler) wird das verdächtige Wirbelgelenk gezielt betäubt. Dazu wird die Haut desinfiziert und eine Nadel bis ins Gelenk vorgeschoben. Dort wird etwas Kontrastmittel gespritzt, um die richtige Lage der Nadel zu kontrollieren. Anschließend wird ein Gemisch aus lokalem Betäubungsmittel mit Kortison in oder an die gereizten Wirbelgelenke gespritzt (Facettenblockade). Kortison soll die Entzündung hemmen.
Akute Schmerzen können Patienten oft selbst mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln und Bewegung gut behandeln. Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Häufigkeit und Dauer von Rückenschmerzepisoden reduzieren. Sinnvoll sind Sportarten wie Schwimmen mit der richtigen Technik, Radfahren, Tanzen oder Nordic Walking, aber auch lange Spaziergänge.
In Ausnahmefällen kann der Arzt eine Physiotherapie zum Aufbau der Bauch- und Rückenmuskulatur verordnen, um damit Rückenschmerzen vorzubeugen oder zu lindern. Denn eine kräftige Rumpfmuskulatur stabilisiert die Wirbelsäule wie ein Korsett, sodass die Gelenke auch bei Belastung in der richtigen Position bleiben. So lassen sich Gelenkblockierungen vermeiden. Die erlernten Übungen müssen selbstständig und regelmäßig zu Hause durchgeführt werden, da sich die Muskeln sonst schnell wieder zurückbilden.