Gerade in den warmen Monaten werden wir in unserer Praxis fast täglich gefragt:
„Was soll ich tun, wenn ich von einem Insekt gestochen wurde?“
„Und woran erkenne ich, ob daraus etwas Ernstes wird?“
Die gute Nachricht vorweg: Die allermeisten Insektenstiche sind völlig harmlos.
Egal ob Mücke, Bremse, Wespe oder Biene, normalerweise reagiert unser Körper mit einer kleinen Entzündungsreaktion. Die Haut wird etwas rot, schwillt leicht an und beginnt zu jucken. Das ist völlig normal und zeigt, dass unser Immunsystem auf den Speichel oder das Gift des Insekts reagiert. Meist verschwinden diese Beschwerden innerhalb weniger Tage ganz von allein.
Am wichtigsten ist zunächst das Kühlen. Ein kalter Waschlappen, ein Kühlpack oder ein Kühlgel lindern Schwellung und Juckreiz oft sehr schnell.
Zusätzlich helfen Antihistaminika als Gel oder Salbe, die Sie rezeptfrei in der Apotheke erhalten. Bei stärkeren Reaktionen können in Einzelfällen auch Antihistaminika als Tabletten sinnvoll sein. Der wichtigste Rat lautet allerdings:
Bitte möglichst nicht kratzen!
Das ist leichter gesagt als getan, aber genau durch das Kratzen entstehen kleine Hautverletzungen. Über diese können Bakterien, die ganz normal auf unserer Haut leben, in das Gewebe eindringen und eine bakterielle Entzündung verursachen.
Viele Patienten erschrecken, wenn ein Stich am nächsten Tag etwas größer aussieht.
Eine leichte Rötung und Schwellung gehören aber zunächst zur normalen Reaktion.
Problematisch wird es, wenn die Beschwerden nicht langsam besser, sondern täglich stärker werden.
Warnzeichen sind:
Dann sollte die Stelle ärztlich untersucht werden.
Nicht jeder entzündete Insektenstich benötigt sofort ein Antibiotikum. Oft reicht zunächst eine örtliche Behandlung. Ist die bakterielle Entzündung jedoch ausgeprägt oder breitet sie sich aus, kann eine antibiotische Therapie notwendig werden.

Es gibt Situationen, in denen Sie nicht abwarten sollten.
Wenn nach einem Bienen- oder Wespenstich plötzlich Atemnot entsteht, Lippen oder Zunge anschwellen, Kreislaufprobleme auftreten oder Sie das Bewusstsein verlieren, handelt es sich möglicherweise um eine schwere allergische Reaktion, eine sogenannte Anaphylaxie.
Dann gilt:
Sofort den Notruf 112 verständigen.
Zum Glück kommt das nur selten vor.
Kommen wir nun zu einem Insekt, das eigentlich gar keines ist.
Die Zecke gehört biologisch zu den Spinnentieren.
Trotzdem sprechen wir im Alltag meist von einem Insektenstich.
Warum beschäftigen wir Hausärzte uns so intensiv mit Zecken?
Weil Zecken in Deutschland zwei wichtige Erkrankungen übertragen können:
Zunächst gilt:
Keine Panik.
Nicht jede Zecke trägt Krankheitserreger in sich, und selbst wenn sie infiziert ist, wird nicht automatisch jede Person krank.
Dennoch sollte eine Zecke möglichst früh entfernt werden.
Greifen Sie sie mit einer feinen Pinzette oder einer Zeckenkarte möglichst dicht an der Haut und ziehen Sie sie langsam gerade heraus.
Bitte verwenden Sie kein Öl, keinen Klebstoff und keinen Nagellack.
Diese alten Hausmittel führen eher dazu, dass die Zecke gestresst wird und möglicherweise mehr Speichel abgibt.
Nach dem Entfernen desinfizieren Sie die Einstichstelle und notieren sich möglichst das Datum. Das hilft später bei der Beurteilung möglicher Beschwerden.
Borreliose wird durch Bakterien übertragen.
Das bekannteste Zeichen ist die sogenannte Wanderröte.
Dabei bildet sich Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich eine ringförmige Hautrötung, die sich langsam nach außen ausbreitet. Oft wird die Mitte dabei wieder heller.
Nicht jeder Patient entwickelt diese typische Hautveränderung.
Manche klagen zunächst über Müdigkeit, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber oder Muskel- und Gelenkschmerzen.
Bleibt die Erkrankung unbehandelt, können Wochen oder Monate später Gelenkentzündungen, Gesichtsnervenlähmungen, Nervenschmerzen oder, selten, Herzrhythmusstörungen auftreten.
Die gute Nachricht lautet:
Borreliose lässt sich in der Regel sehr gut mit Antibiotika behandeln, vor allem, wenn sie früh erkannt wird.
Deshalb gilt:
Wenn Sie nach einem Zeckenstich eine Wanderröte bemerken oder unklare Beschwerden entwickeln, kommen Sie bitte in die Praxis.
FSME wird nicht durch Bakterien, sondern durch ein Virus verursacht.
Deshalb helfen Antibiotika hier nicht.
Viele Infektionen verlaufen völlig unbemerkt.
Ein Teil der Betroffenen entwickelt zunächst grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.
Nach einigen Tagen fühlen sich viele zunächst wieder gesund.
Bei einem kleineren Teil der Patienten folgt jedoch eine zweite Krankheitsphase.
Dann kann es zu einer Entzündung der Hirnhäute oder sogar des Gehirns kommen.
Warnzeichen sind:
Dann muss sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden.
Die wichtigste Vorbeugung ist die FSME-Impfung.
Unsere Praxis befindet sich in 56727 Mayen in Rheinland-Pfalz.
Viele Patienten fragen uns deshalb:
„Muss ich mich hier überhaupt gegen FSME impfen lassen?“
Aktuell gilt in Rheinland-Pfalz nur der Landkreis Birkenfeld als offizielles FSME-Risikogebiet.
Das bedeutet allerdings nicht, dass außerhalb dieser Gebiete niemals Erkrankungen auftreten.
Die Verbreitung verändert sich kontinuierlich.
Durch den Klimawandel werden unsere Winter milder, die Vegetationsperiode verlängert sich und Zecken bleiben deutlich länger aktiv. Gleichzeitig breiten sich verschiedene Zeckenarten immer weiter nach Norden und in höhere Lagen aus.
Die aktuellen FSME-Risikogebiete veröffentlicht das Robert-Koch-Institut jedes Jahr neu.
Den entsprechenden Link finden Sie unter diesem Video oder auf unserer Homepage:
Nicht nur Zecken profitieren von den höheren Temperaturen.
Auch neue Stechmückenarten, beispielsweise die Asiatische Tigermücke, haben sich inzwischen in mehreren Regionen Deutschlands dauerhaft angesiedelt.
Dadurch können Erkrankungen auftreten, die früher fast ausschließlich aus tropischen Urlaubsländern bekannt waren.
Hierzu gehören beispielsweise:
Noch sind diese Erkrankungen in Deutschland glücklicherweise selten.
Als Hausarztpraxis müssen wir uns jedoch bereits heute auf diese Entwicklungen einstellen.
Viele Menschen verbinden Tropenmedizin ausschließlich mit Fernreisen.
Das greift heute zu kurz.
Durch den Klimawandel, die weltweite Mobilität und internationale Reisen verändern sich auch die Infektionskrankheiten in Deutschland.
Deshalb besuchen wir regelmäßig reise- und tropenmedizinische Fortbildungen. So können wir Sie nicht nur vor einer Reise optimal beraten, sondern auch neue Infektionskrankheiten frühzeitig erkennen und nach den aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen behandeln.
Die meisten Insektenstiche sind harmlos und heilen ohne Behandlung ab.
Kühlen, Geduld und gegebenenfalls ein Antihistaminikum reichen meist völlig aus.
Sollte sich ein Stich jedoch zunehmend entzünden, starke Schmerzen verursachen oder Fieber auftreten, lassen Sie ihn bitte ärztlich kontrollieren.
Nach einem Zeckenstich achten Sie besonders auf eine Wanderröte oder grippeähnliche Beschwerden.
Und wenn Sie sich unsicher sind, ob für Sie eine FSME-Impfung sinnvoll ist oder Sie eine Reise in ein Risikogebiet planen, sprechen Sie uns einfach an.
Wir beraten Sie gerne, persönlich, individuell und immer auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Impfungen gehören zu den größten Errungenschaften der modernen Medizin und verhindern weltweit schwere Erkrankungen, bleibende Schäden und Todesfälle.
Wir als Praxis West sind überzeugte Impfbefürworter und halten eine wissenschaftlich fundierte Impfprävention für einen selbstverständlichen Bestandteil einer verantwortungsvollen und modernen Gesellschaft.
Vielen Dank für Ihr Interesse!
Ihr Team der Praxis West