Hitze und Gesundheit

Wenn hohe Temperaturen zur Gefahr werden

In den vergangenen Jahren erleben wir auch in Deutschland immer häufiger lange Hitzeperioden. Für gesunde Menschen ist das meistens unangenehm, aber beherrschbar. Für ältere oder chronisch kranke Menschen kann Hitze jedoch zu einer echten gesundheitlichen Gefahr werden.

Dabei müssen wir eines klar sagen: Der heutige Klimawandel ist überwiegend menschengemacht. Durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas reichern sich Treibhausgase in der Atmosphäre an. Dadurch steigen die Durchschnittstemperaturen, und extreme Hitzeperioden werden häufiger, länger und intensiver.

Video zum Thema mit Dr. med. Ottmar Orth

Was macht Hitze eigentlich mit unserem Körper?

Unser Körper versucht, seine Temperatur möglichst konstant zu halten. Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße, und wir beginnen zu schwitzen. Durch das Verdunsten des Schweißes wird der Körper gekühlt.

Dabei verliert der Mensch jedoch Wasser und Salze. Gleichzeitig kann durch die erweiterten Blutgefäße der Blutdruck absinken. Das Herz muss stärker arbeiten, und die Nieren werden schlechter durchblutet.

Ein gesunder, jüngerer Mensch kann diese Veränderungen meistens gut ausgleichen. Im höheren Alter funktioniert die Temperaturregulation jedoch oft nicht mehr so zuverlässig. Hinzu kommt, dass ältere Menschen häufig weniger Durst verspüren, obwohl ihr Körper bereits Flüssigkeit benötigt.

Wer ist besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, vor allem wenn sie allein leben, wenig mobil sind oder nicht mehr ausreichend für sich selbst sorgen können.

Ein erhöhtes Risiko haben außerdem Menschen mit:

Auch Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, Menschen mit körperlich anstrengender Arbeit im Freien und Personen ohne ausreichend kühle Wohnräume sind stärker gefährdet.

Besonders aufmerksam müssen wir bei Menschen mit einer umfangreichen Dauermedikation sein. Denn Hitze verändert nicht nur den Körper, sondern kann auch die Wirkung und Nebenwirkungen verschiedener Medikamente beeinflussen.

Was ist bei Blutdruckmitteln und anderen Medikamenten zu beachten?

Diese Frage ist für viele unserer Patientinnen und Patienten besonders wichtig.

Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße. Dadurch sinkt der Blutdruck bei manchen Menschen ohnehin ab. Werden zusätzlich blutdrucksenkende Medikamente eingenommen, kann der Blutdruck zu niedrig werden.

Mögliche Zeichen dafür sind:

Besonders relevant sind entwässernde Medikamente, sogenannte Diuretika. Sie werden häufig bei Bluthochdruck oder Herzschwäche eingesetzt. Diese Medikamente führen dazu, dass der Körper mehr Flüssigkeit und Salze ausscheidet. Bei starkem Schwitzen kann dadurch schneller eine Austrocknung oder eine Störung der Blutsalze entstehen.

Auch bestimmte Blutdruckmittel können bei ausgeprägtem Flüssigkeitsmangel die Nieren zusätzlich belasten. Das gilt beispielsweise für ACE-Hemmer oder Sartane. Andere Medikamente können das Schwitzen, das Durstgefühl oder die Temperaturregulation beeinflussen. Dazu gehören unter anderem bestimmte Psychopharmaka, Beruhigungsmittel, Schmerzmittel und Medikamente gegen Parkinson.

Auch bei Diabetes ist Aufmerksamkeit notwendig. Hitze, weniger Appetit, veränderte Bewegung und Flüssigkeitsmangel können den Blutzucker beeinflussen. Insulin und andere temperaturempfindliche Medikamente dürfen außerdem nicht in einem heißen Auto oder in direkter Sonne gelagert werden.

Wichtig ist aber

Setzen Sie Blutdruckmittel oder andere Medikamente niemals eigenmächtig ab.

Messen Sie während einer Hitzeperiode häufiger Ihren Blutdruck. Bei Herzschwäche kann auch eine regelmäßige Gewichtskontrolle sinnvoll sein. Fallen die Blutdruckwerte deutlich ab, treten Schwindel oder Schwäche auf oder trinken Sie wegen Übelkeit oder Krankheit kaum noch, sollten Sie ärztlich Rücksprache halten.

Manchmal muss die Dosierung für eine begrenzte Zeit angepasst werden. Das sollte jedoch individuell entschieden werden. Was für einen Patienten richtig ist, kann für einen anderen gefährlich sein.

Welche Hitzeerkrankungen gibt es?

Eine häufige Folge ist die Austrocknung, medizinisch Dehydratation genannt. Betroffene haben einen trockenen Mund, wenig und dunklen Urin, Kopfschmerzen, Schwäche oder Schwindel. Bei älteren Menschen kann auch eine plötzlich auftretende Verwirrtheit das erste Zeichen eines Flüssigkeitsmangels sein.

Bei Hitzekrämpfen entstehen schmerzhafte Muskelkrämpfe, häufig nach körperlicher Anstrengung und starkem Schwitzen.

Bei einer Hitzeerschöpfung kommt es zu starker Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, schnellem Puls und oft zu starkem Schwitzen. Betroffene müssen sofort aus der Hitze gebracht, gekühlt und mit Flüssigkeit versorgt werden.

Die gefährlichste Form ist der Hitzschlag. Dabei steigt die Körpertemperatur stark an, und das Gehirn wird beeinträchtigt. Typische Zeichen sind Verwirrtheit, ungewöhnliches Verhalten, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit.

Ein Hitzschlag ist ein akuter medizinischer Notfall.

Was können Sie an heißen Tagen konkret tun?

Trinken Sie regelmäßig und nicht erst dann, wenn Sie starken Durst haben. Wasser, ungesüßter Tee oder verdünnte Saftschorlen sind meist gut geeignet.

Eine pauschale Trinkempfehlung gilt allerdings nicht für jeden. Menschen mit schwerer Herzschwäche oder fortgeschrittener Nierenerkrankung dürfen teilweise nur eine begrenzte Flüssigkeitsmenge trinken. Hier sollte vorher ein persönlicher Trinkplan vereinbart werden.

Halten Sie Ihre Wohnung möglichst kühl. Lüften Sie früh morgens, spät abends oder nachts, wenn es draußen kühler ist. Tagsüber sollten Fenster und Rollläden möglichst geschlossen bleiben.

Vermeiden Sie körperliche Anstrengungen in der Mittagshitze. Einkäufe, Spaziergänge und Sport sollten möglichst in die kühleren Morgenstunden verlegt werden.

Tragen Sie leichte Kleidung und eine Kopfbedeckung. Kühlen Sie Arme, Beine und Nacken mit feuchten Tüchern oder lauwarmem Wasser. Eiskalte Duschen sind nicht notwendig und können den Kreislauf zusätzlich belasten.

Achten Sie außerdem auf ältere Angehörige, Nachbarn oder allein lebende Menschen. Ein kurzer Anruf oder Besuch kann im Hochsommer tatsächlich Leben retten.

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Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Bitte kontaktieren Sie eine Arztpraxis, wenn anhaltender Schwindel, zunehmende Schwäche, sehr niedrige Blutdruckwerte, wiederholtes Erbrechen, kaum noch Urin oder eine neu aufgetretene Verwirrtheit auftreten.

Auch bei einer deutlichen Verschlechterung einer Herz-, Lungen-, Nieren- oder Zuckererkrankung sollten Sie nicht abwarten.

Bei Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, Kollaps, starker Atemnot, Brustschmerzen oder Verdacht auf einen Hitzschlag wählen Sie sofort den Notruf 112.

Bringen Sie die betroffene Person bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in den Schatten oder in einen kühlen Raum. Entfernen Sie überflüssige Kleidung und kühlen Sie den Körper mit feuchten Tüchern. Einer bewusstseinsgetrübten Person darf nichts zu trinken eingeflößt werden.

Was hat das alles mit unserem Lebensstil zu tun?

Bei der Klimakrise geht es nicht nur um Eisbären oder entfernte Inselstaaten. Es geht um unsere Gesundheit, um unsere Eltern, unsere Kinder und um die Belastbarkeit unseres Gesundheitswesens.

Natürlich kann kein einzelner Mensch den Klimawandel allein stoppen. Es wäre deshalb falsch, die gesamte Verantwortung nur auf den Einzelnen abzuschieben. Wir benötigen politische Entscheidungen, klimafreundliche Energie, bessere öffentliche Verkehrsmittel, gut gedämmte Gebäude und lebenswerte, begrünte Städte.

Trotzdem hat auch unser persönlicher Lebensstil eine Wirkung.

Wir können weniger Energie verbrauchen, Gebäude sinnvoll dämmen, Ökostrom nutzen, häufiger zu Fuß gehen, Fahrrad und Bahn verwenden, weniger Lebensmittel wegwerfen und häufiger pflanzlich essen.

Und ja: Auch unsere Urlaubsreisen müssen wir ehrlich betrachten.

Ein freiwilliger Langstreckenflug zu Erholungszwecken verursacht innerhalb weniger Stunden einen erheblichen Teil des persönlichen jährlichen Klima-Fußabdrucks. Darauf regelmäßig zu verzichten, seltener zu fliegen, länger an einem Reiseziel zu bleiben oder nähere Reiseziele mit Bahn und Auto zu wählen, gehört deshalb zu den wirksameren persönlichen Klimaschutzmaßnahmen.

Das bedeutet nicht, dass Reisen grundsätzlich schlecht ist. Reisen bildet, verbindet Menschen und ermöglicht wichtige Begegnungen. Aber zwischen „nie wieder reisen“ und „mehrmals im Jahr für wenige Tage um die Welt fliegen“ liegt ein ziemlich großer, vernünftiger Spielraum.

Eine CO₂-Kompensation kann ein zusätzlicher Schritt sein. Sie ersetzt aber nicht das Vermeiden unnötiger Emissionen. Erst vermeiden, dann reduzieren und nur den verbleibenden Rest kompensieren, das ist die ehrlichere Reihenfolge.

Warum beschäftigen wir uns in der Praxis auch mit Reise- und Klimamedizin?

Klimawandel, Hitze und Reisemedizin lassen sich heute nicht mehr sauber voneinander trennen.

Reisende treffen in vielen Ländern auf extreme Temperaturen, intensive UV-Strahlung, neue Infektionserkrankungen und gesundheitliche Risiken durch Luftverschmutzung, Wasserknappheit oder ungewöhnliche Wetterereignisse.

Unsere reisemedizinische Beratung erfolgt in der Praxis West individuell und wird über eine Videosprechstunde vorbereitet. Vorab können Sie über unseren digitalen Fragebogen auch ein Foto Ihres Impfpasses übermitteln. So können wir Impfungen, Reiseziel, Vorerkrankungen und Dauermedikation gezielt besprechen.

Wir besuchen regelmäßig reise- und tropenmedizinische Fortbildungen. Dieses Wissen hilft uns nicht nur bei Fernreisen. Es wird zunehmend auch für die medizinische Versorgung hier in Deutschland wichtig.

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Mein Fazit

Hitze ist nicht nur unangenehm. Sie kann bestehende Erkrankungen verschlechtern, Medikamente problematisch werden lassen und akute Notfälle auslösen. Besonders ältere, multimorbide und allein lebende Menschen brauchen während längerer Hitzeperioden unsere Aufmerksamkeit.

Und schließlich sollten wir uns bewusst machen: Hitzeschutz behandelt die Folgen. Klimaschutz bekämpft die Ursache. Beides gehört heute zu einer verantwortungsvollen Medizin.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Team der Praxis West