Die erschöpfte Gesellschaft – Ursachen, Hintergründe und Wege aus der persönlichen Krise
Immer mehr Menschen suchen unsere Praxis mit Symptomen wie anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, innerer Unruhe, depressiver Verstimmung oder emotionaler Instabilität auf. Häufig äußert sich dies in einer reduzierten Belastbarkeit im Alltag, Schwierigkeiten bei der Arbeit oder Konflikten im sozialen Umfeld.
Nach sorgfältiger medizinischer Diagnostik – etwa Ausschluss von Schilddrüsenfunktionsstörungen, Blutarmut, Vitaminmangel oder chronischen Entzündungen – finden wir in den meisten Fällen keine körperliche Ursache. Vielmehr handelt es sich um eine gesellschaftlich weit verbreitete Form der Erschöpfung, deren Ursachen vielschichtig sind.
Die vergangenen Jahre haben unser aller Leben tiefgreifend verändert:
Corona-Pandemie: Isolation, Homeoffice, Homeschooling und Sorge um die eigene Gesundheit oder die der Angehörigen haben viele Menschen dauerhaft belastet.
Krisen in Europa und weltweit: Krieg in der Ukraine, Inflation, Rezession, steigende Energie- und Lebenshaltungskosten.
Klimawandel und Umweltkrisen: Sorgen um die Zukunft des Planeten, Hitzesommer, Naturkatastrophen.
Politische Unsicherheit: Polarisierung, Vertrauensverlust in Institutionen, gefühlte Instabilität.
All diese Faktoren führen zu einem dauerhaften Stresszustand, der unseren Körper in Alarmbereitschaft hält. Während Stress in akuten Phasen hilfreich sein kann, schadet er langfristig, wenn Entlastung und Erholung fehlen. Das Ergebnis: chronische Erschöpfung, Schlafstörungen und psychosomatische Beschwerden.
Was können Sie selbst tun? Ein Stufenmodell
Wir empfehlen ein mehrstufiges Vorgehen, um Erschöpfung und Überlastung zu begegnen.
Stufe 1: Selbsthilfe – die Basis
Regelmäßige Bewegung und Sport: Bewegung baut Stresshormone ab, stabilisiert die Stimmung und fördert gesunden Schlaf. Empfehlungen:
Tägliche Spaziergänge an der frischen Luft (20–30 Minuten)
Ausdauertraining (Joggen, Radfahren, Schwimmen – 3x/Woche für 30 Minuten)
Yoga oder Pilates zur Förderung von Entspannung und Körperbewusstsein
Achtsamkeit und Entspannungstechniken:
Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
Atemübungen (z. B. 4-7-8-Methode)
Meditation (z. B. mithilfe von Apps wie Headspace oder Calm)
Tagesstruktur und Schlafhygiene:
Feste Schlafenszeiten einhalten
Verzicht auf Koffein, Nikotin und Alkohol am Abend
Viel frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Omega-3-Fettsäuren
Ausreichend Flüssigkeit: mindestens 2 Liter Wasser pro Tag
Stufe 2: Pflanzliche und rezeptfreie Unterstützung
Johanniskraut (bei leichten Stimmungstiefs – Achtung: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich, daher Rücksprache mit Arzt notwendig)
Baldrian, Passionsblume, Hopfenextrakte zur Beruhigung und Schlafverbesserung
Magnesium und Vitamin-B-Komplex zur Unterstützung des Nervensystems
Aromatherapie (Lavendelöl zur Entspannung, Bachblüten bei akuten Stressmomenten)
Stufe 3: Psychotherapeutische Unterstützung
Wenn die Selbsthilfemaßnahmen nicht ausreichen:
Gespräche mit Psychotherapeut:innen zur Ursachenanalyse und Entwicklung von Bewältigungsstrategien
Methoden:
Kognitive Verhaltenstherapie
Achtsamkeitsbasierte Ansätze (MBSR)
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Auch psychologische Beratung oder Coaching kann kurzfristig hilfreich sein.
Stufe 4: Medikamentöse Therapie (nur bei Bedarf)
In schweren Fällen kann eine ärztlich begleitete medikamentöse Therapie sinnvoll sein.
Möglich: sedierende Antidepressiva oder angstlösende Medikamente – immer mit begleitender Therapie, um Abhängigkeiten zu vermeiden.
Stufe 5: Stationäre psychosomatische Therapie
Indiziert, wenn ambulante Maßnahmen nicht ausreichen:
Bei ausgeprägtem Burnout oder schweren körperlichen Symptomen
In psychosomatischen Kliniken: multimodales Programm aus Psychotherapie, Bewegung, Entspannung, Kreativtherapien und ärztlicher Betreuung
Stufe 6: Nachsorge und Stabilisierung
Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen
Nachhaltige Integration von Entspannung und Achtsamkeit
Arbeitsanpassungen: Reduktion von Überlastung, Delegation, ggf. berufliche Neuorientierung
Rückfallprävention: regelmäßige Gespräche mit Therapeut:innen, Pflege gesunder Routinen
Fazit
Die Ursachen von Erschöpfung und Burnout liegen selten allein im Körper – sie sind vielmehr Ausdruck unserer angespannten, von Krisen geprägten Gesellschaft. Wichtig ist, die Signale ernst zu nehmen und frühzeitig gegenzusteuern.
Wir stehen Ihnen gerne beratend zur Seite – von der medizinischen Abklärung über individuelle Empfehlungen bis hin zur Vermittlung weiterführender therapeutischer Maßnahmen.
Ihr Team der Praxis West
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